Gegenargumente

Da diese Website auch für Laien zugänglich sein soll und es dem Nicht-Fachmenschen unter Umständen nicht möglich ist, sich über die vorgebrachten Gründe für die Hypothese von größerer Wasserbeteiligung und über die gegenüber der allgemeinen Theorie aufgeworfenen Fragen ein Urteil zu bilden, sollen einige aus fachlicher Sicht mögliche Argumente gegen die gemachten Überlegungen aufgezeigt werden.

1. Die Wasserbeteiligung wird in der offiziellen Theorie nicht bestritten, sondern gerade bei den sauren (quarzreichen) Gesteinen, den Granitoiden, als selbstverständlich mit einbezogen, wobei jedoch eine größere Menge Wasser zumindest aus chemischer Sicht nicht notwendig ist. Chemisch gesehen lassen sich alle granitoiden Gesteine aus versenkten und stark metamorphosierten oder eingeschmolzenen Sedimentkomplexen oder aber schweredifferenzierten Magmen der Erdkruste herleiten. Vorstellungen mit großen Wassermengen oder gar mit neptunistischen Ausfällungsprozessen sind nicht notwendig, denn das freie Wasser der Ozeane und der Erdkruste reicht für die chemisch notwendige Wassermenge hin. Und gerade das Mantelgestein unter der Erdkruste (30 Kilometer Tiefe und mehr) ist außerordentlich wasserarm.

2. Die Vorstellung, dass der Planet Erde in seinen allerersten Zeiten, z.B. vor 4 Milliarden Jahren eine große Hülle aus stellaren Gasen besessen hat, wird ebenfalls nicht bestritten, aber der behauptete späte Zeitpunkt ist fragwürdig: Im späten Archaikum (vor 2 Milliarden Jahren) und schon gar im Proterozoikum (bis vor einer halben Milliarde Jahren) zwingt kein Umstand dazu, eine Atmosphäre anzunehmen, die wesentlich größer gewesen ist als die heutige. Die Gesteine dieser Zeiten deuten hingegen klar auf das Vorhandensein von tiefem Wasser (Urozeanen) und Urkontinenten, also in gewisser Weise "ähnlichen" Zuständen wie heute.

3. Das morphologische Vorgehen wird dann problematisch, wenn man äußere Ähnlichkeiten parallelisiert und dabei die enorme Andersartigkeit einzelner Randbedingungen außer Acht lässt: Wenn man von kolloidal und "hart-gallertig" spricht, weil hart-gallertige Substanzen aus dem Alltag ähnliche Formen bilden, sich hingegen nicht darüber Rechenschaft gibt, dass das in Frage kommende "Hart-Gallertige" beispielsweise unter einem Druck von 2 Kilobar gestanden hat. Ein hartes, wasserhaltiges Gestein reagiert unter diesem unvorstellbaren Druck und den immensen tektonischen Scherungskräften morphologisch eben offensichtlich wie eine kolloidale Substanz, obwohl es in Wirklichkeit absolut hart ist. Unter solch extremen Bedingungen ist die schwierige Vorstellbarkeit kein Argument gegen einen außergewöhnlichen morphologischen Sachverhalt.

4. Die im Kapitel "Substanzen als Einheit" angesprochenen Qualitätsaspekte der Materie sind in gewisser Weise "anthropomorpher" Natur, d.h. objektiv gesehen verbleibt von der Materie nach Abzug aller beigelegten sinnlichen Eigenschaften trotz allem nur die Mathematik der Atomstrukturen. Die Wissenschaft nimmt nicht in Anspruch, mit den Atommodellen die "Materie an sich" erfasst zu haben, sondern es geht um die möglichst präzise Beschreibung und Berechnung der Relationen der physikalischen und chemischen Parameter. Die Betonung von Qualitätsaspekten darf nicht dazu führen, dass man die zeitlose innere Kohärenz der heute weitgehend bekannten Chemie und Physik relativiert, um zu "ganz anderen Bedingungen" der Erdurzeit übergehen zu können.


Die Gegenargumente - vom Autor aufgestellt - ließen sich noch vermehren. Man könnte sich von den Zweifeln, die sie erzeugen, dazu drängen lassen, die Hypothese von der großen Wasserbeteiligung fallen zu lassen. Warum hält der Autor die Möglichkeit einer größeren Wasserbeteiligung und einer großen Ur-Atmosphäre trotzdem für wahrscheinlich genug, um sie mit diesem Aufwand zur Diskussion zu stellen?

Weil die Erscheinung vieler Felsformationen, Gesteine und Mineralien immer wieder den Gedanken erhärtete, es seien in ihnen Prozesse festgehalten, die von einer absolut andersartigen Welt zeugen. Der Gedanke wurde zwar wiederholt in den Hintergrund gedrängt, wenn die offizielle Theorie für gewisse Erscheinungen glaubwürdige, an aktuell beobachtbare Zustände angeknüpfte Erklärungen lieferte, aber er erstand immer wieder von neuem, wenn die Gesteine in der Natur selbst mit ihren Formen sprachen, dem Sinn nach: "Es ist dennoch anders gewesen! Unsere frühe Welt war in Bezug auf die bekannten Begriffe eine unerhörte, eine weit von der jetzigen Erde entfernte. Man hat heute nur die erhärteten, ausgetrockneten und verwandelten Reste jener Ereignisse der Planetenentwicklung vor sich und dehnt die Art dieser Reste gerne in die frühe Vergangenheit aus. Damit trifft man nur dasjenige richtig, was sich damals schon ähnlich zeigte, wie es heute noch ist. Anderes aber war sehr verschieden von heute!" Ob ein solcher Eindruck Intuition oder Illusion ist, kann natürlich nur das vertiefende Forschen zeigen.

Es muss eingestanden werden, dass das Eis dünn und glatt ist, auf das man sich mit einer so weit gehenden Hypothese wagt. Längere Zeit glaubte der Autor beispielsweise, eine verfolgenswerte Spur in der so genannten Bankung des Granits gefunden zu haben. Bei dem häufigen und ins Auge fallenden Phänomen handelt es sich um die Gliederung der Granitkomplexe in Lagen und Schichten. In Granitsteinbrüchen bilden diese Schichten oft die Arbeitsflächen und Verarbeitungsstufen. Oft liegt die Bankung waagrecht zur Erdoberfläche, manchmal fällt sie in eine bestimmte Richtung ab. Zusätzlich zur Bankung ist der Granit oft noch in andere Richtungen zerklüftet, so dass sich ein zwei- oder dreidimensionales System von Bruchspalten ergibt. Die Bankung der Granitkomplexe könnte ähnlich wie die Bankung der klassischen Sedimente als Indiz für Ablagerungsvorgänge genommen werden, da bei den üblicherweise postulierten Entlastungs- und Abkühlungsrissen nicht unbedingt die beobachtbare Präzision und Weite der Flächen zu erwarten wäre. Die einzelnen Granitschichten wären dann beispielsweise als zeitlich oder qualitativ in sich abgeschlossene Ausfällungsphasen von Mineral-Massen zu verstehen. Gespräche mit verschiedenen Betreibern von Granitsteinbrüchen und anderen Granit-Fachleuten führten jedoch dazu, dass die Spur fallen gelassen wurde. Die direkt am Gelände und Gestein gewonnenen Beschreibungen dieser Leute zeigten nämlich, dass es sich bei der "Bankung" um jüngere Spuren handeln muss: Noch wenn in den betreffenden Granitkomplexen Ablagerungsvorgänge mitgewirkt hätten, wären ihre Spuren von den offensichtlich später geschehenen Vorgängen (Entlastungs- und Abkühlungsrisse, tektonisch bedingte Zerklüftung) sehr wahrscheinlich bis zur Unkenntlichkeit überprägt worden.

Die Geschichte der Geologie, Paläontologie usw. hat oft genug gezeigt, wie die allzu überzeugte Verfolgung einer an sich richtigen Spur zu unrichtigen "Entdeckungen" und Behauptungen geführt hat, deren Gegnerschaft dann auch das Richtige der verfolgten Spur für Jahre oder Jahrzehnte wieder zugedeckt hat. Aus diesem Grund sind die hier vorgelegten Fragen und Hypothesen ohne Suggestion und in aller Offenheit gemeint. Wenn sie Anlass dazu sind, gewissen Sachen nochmals auf den Grund zu gehen, dann ist ihr Zweck bereits erreicht.

Ihre mögliche Berechtigung wird auch durch allenthalben auftauchende Thesen unterstützt, die das Bild der ersten Zeiten der Erde in die genannte Richtung zu modifizieren scheinen. So präsentierte ein australisches Forscherteam in "Science" (Bd. 308, S. 841) anhand von ältesten Zirkonkristallen, die im übrigen bei der erstaunlich tiefen Temperatur von lediglich 700°C gebildet worden sein sollen, die These, dass die 200 Millionen Jahre junge Erde des Hadaikums (vor dem Archaikum) bereits Ozeane aus Wasser besessen habe, und dass sich womöglich viel früher als bisher angenommen Leben habe entwickeln können. Ein Forscherteam der Vanderbilt University in Nashville teilte 2014 mit, dass Zirkonkristalle derselben frühesten Zeit aus Magma entstanden, das nasser und weniger heiss war als bisher angenommen, wie der Vergleich mit isländischen Zirkonen zeige. Oder ein japanisches Team stellte vor einigen Jahren in "Nature" die These auf, dass der innere Erdmantel (über 1'000 km Tiefe) bis zu 2 Promille Gewichtsanteil Wasser besitze, was das bisherige Modell des nahezu wasserfreien Mantels stark modifizieren würde. Eines der überraschendsten Resultate der bekannten Tiefbohrung bei Windischeschenbach Anfang der Neunzigerjahre war die Durchlässigkeit der Erdkruste. Das Gestein war beim tiefsten Punkt des Bohrlochs in 9 Kilometer Tiefe nicht wie erwartet trocken und dicht, sondern porös. Der Bohrer passierte Klüfte, aus denen sich unerschöpfliche Mengen von stark mineralisierten heißen Wässern ergossen. Und nicht zuletzt kann erwähnt werden, dass allerneuste extrasolare Forschungen (Stand 2013) in weit entfernten Gaswolken und planetarischen Nebeln, wo neue Sonnen entstehen, prozentual grosse Mengen von Wassermolekülen zeigen.