Kolloide und Intrusionen

Viele Granitkomplexe sind mit Rissen verschiedener Dicke durchzogen, die mit einem weißen, quarzreichen und glimmerarmen Gestein, dem so genannten Aplit ausgefüllt sind. Es handelt sich also nicht um solche Füllungen, die aus Gangwasser auskristallisiert wurden, wie dies in Rissen des Kalkgebirges häufig ist (Calzit- bzw. Spatgänge), sondern um direkt und in flüssiger Form eingedrungenes Gestein. Es sind auch Orte anzutreffen, wo das helle Gestein die Mehrheit ausmacht und schwimmende, dunkle Granitbrocken umschließt.
Was hier interessieren soll sind die Formphänomene, die an den Rändern und Grenzbereichen solcher Intrusionen, d.h. in flüssiger Form eingedrungener Gesteinskomplexe auftreten. 

Die Bilder der rechten Kolonne zeigen helle Aplitgänge im Kristallingestein des Berninamassivs und des Aaremassivs. Bei den dunklen Gesteinspartien handelt es sich um Granodiorit und Diorit, granitverwandte Tiefengesteine.
Die linke Bildkolonne zeigt Experimente mit Kolloiden, in denen dunkel eingefärbte, gallertige Massen mit hellen Kolloiden überflutet und dann künstlich zerrüttet wurden. Eines der linken Bilder zeigt zum Vergleich Trockenfleisch.
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Man geht bei solchen Formationen von heißflüssigen, magmatischen Bildungsvorgängen aus. Der dunkle Granodiorit in der sechsten Reihe beispielsweise musste zuerst kühl genug sein, um in geraden Rissen brechen zu können, später dann heiß genug, um die magmatische Aplit-Schmelze dünnflüssig in Ritzen bis zu einer Dünnheit von einigen Millimetern und einer Länge von mehreren Metern eindringen zu lassen. Man geht hier von unterschiedlichen Schmelztemperaturen des dunklen und hellen Gesteins und von großem Druck aus, damit ein solches Eindringen überhaupt denkbar ist. Beim Einfließen des aplitischen Magmas wurde der dunkle Granodiorit zwar nicht aufgeschmolzen aber teilweise plastisch verformt.

Man ist trotz dieser zunächst einleuchtenden Erklärung geneigt sich zu fragen, ob die streifen-, fetzen- und blockartigen Bruchformen und das Eindringen in die dünnen Ritzen nicht auch auf Zustände hindeuten könnten, die zwischen Magma und kieselsaurem, wasserhaltigem Mineral-Kolloid lagen. Geschahen die plastischen Verformungen womöglich nicht in magmatischer Hitze von tausend und mehr Grad, sondern aufgrund eines mittleren Temperaturanstiegs von einigen hundert Grad in einer schweren, hart-gallertigen Silikatmasse mit merklichem Wasser- oder Kieselsäureanteil?

Zudem erhebt sich die Frage, ob ein Teil der Rissformen sogar auf ein Schwinden infolge Abstoßens von chemisch gebundenem Wasser zurückzuführen ist. Schwundrisse in der Kohlenstoffmasse von Holz beispielsweise entstehen deshalb, weil sich ein Teil des Kohlenstoffes zusammen mit Sauerstoff als CO2 verflüchtigt.
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