Kolloide und Xenolithe

Xenolithe sind Einschlüsse bzw. Fremdkörper in einer ehemals magmatischen Gesteinsmasse. Im Folgenden soll eine bestimmte Eigenart der Xenolithe in den granitoiden Gesteinen interessieren, nämlich ihre Beständigkeit innerhalb des ehemaligen Magmas. Die entsprechenden Xenolithe kommen gehäuft in Intrusionen, d.h. von unten aufgestiegenen und in oben liegende Gesteinsmassen eingedrungenen Magmamassen vor.

Aaremassiv, Schweiz
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Berninamassiv, Ostschweiz

Bergeller Intrusion, Südostschweiz
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Bergeller Intrusion
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Bergeller Intrusion, Spatkristalle auch innerhalb der Xenolithe neu gebildet.
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Herkunftsort unbekanntkopie von 06 kolloide und xenolithe 09

Quarz-Xenolithkopie von 06 kolloide und xenolithe 12

Zunächst scheint die Erscheinung kein Rätsel zu bergen. Bei einem Grossteil der feinkörnigen und oft stark biotithaltigen Objekte (Biotit = schwarzer Glimmer) handelt es sich um Einschlüsse von Granodiorit oder anderem granitverwandtem Tiefengestein, dessen Schmelztemperatur über derjenigen der umgebenden flüssigen Masse lag. Sie sind demnach aus erhärteten Zonen abgebrochen und - ohne aufzuschmelzen - in die heißflüssige Magmazone gewandert. Bei gewissen kleinen Typen von Objekten wird von einer langsamen Auskristallisierung und Anhäufung bestimmter Substanzen in Nestern ausgegangen (z.B. Schörl- oder Turmalinnester).

Da sich in den noch flüssigen Granitkomplexen kleine und kleinste Objekte in großer Häufigkeit über sehr lange Zeiträume aufgehalten haben, ohne sich aufzulösen, kann auch hier die Frage aufkommen, ob die Gesamtkonsistenz der Ausgangsmasse nicht allein heißflüssig-magmatisch, sondern in anderer, verwandter Form flüssig gewesen ist.

Die untenstehenden Bilder dokumentieren, wie beim Experimentieren mit Kolloiden immer auch solche Bruchstücke entstehen, die von ihrem Ursprungsort wegschwimmen und dabei keinerlei Anzeichen von Auflösung zeigen.
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Die zahlreichen, oft erstaunlich kleinen Einschlüsse von ortsfremdem Gestein in granitioiden Massen könnten vermuten lassen, dass deren Erhaltung nicht nur auf die unterschiedlichen Schmelztemperaturen, sondern zugleich auch auf eine Konsistenz zurückzuführen ist, die dank eines hohen, chemisch gebundenen Wasseranteils annähernd kolloidartigen Charakter aufwies. Es ließen sich solche in der umgebenden Matrix schwimmenden Xenolithe denken, deren Erhärtungszustand oder Substanzunterschied gegen Auflösungserscheinungen insofern resistent war, als dass kolloidal gebundene Substanzen je nach ihrem chemischen Zustand bei ähnlichen Temperaturen flüssig, halbfest oder fest sein können.

Dass Xenolithe auch in jungen Granitoiden häufig sind, könnte im Falle der Richtigkeit der Hypothese von erhöhter Wasserhaltigkeit darauf hindeuten, dass kolloidverwandte Konsistenzen trotz gleichzeitiger "plutonischer" Metamorphoseprozesse teilweise bis in jüngere Zeiten hinein auftraten oder erhalten geblieben sind.